Bauwelt 42|03
7. November 2003


Usine de Microtechniques à Gals (Suisse)

 

Drei Funktionen, ein Dach
Fabrik für Mikrotechnik in Gals bei Neuchâtel


Die Besucher kônnen mit dem Auto direkt aufs Dach fahren. Fin Einschnitt 10 der groBen, wie ein glânzender Teppich ausgebreiteten Flàche weist ein haîbes Dutzend privilegierter Steilpiàtze auf. Vorne, arn Rand des kieinen Plateaus, gibt es einen senkrechten ,,Treppenschnitt" zu der Garage im Erdgeschoss; weiter hinten schlieBt die Ausbuchtung Wr den tiefer liegenden Fingang der Firmen Sysmeiec und MIA an. Die beiden Mikrotechnikfirmen haben sich hier, auf einer Wiese auBerhaib des Ortes Gais, ein gemeinsames Produktions- und Verwa1tungsgeb~ude gebaut.
Von diesem Fingangsplateau aus wird die maRgebliche Intention des Entwurfs sofort einsichtig. Die Architekten entwarfen mitten im Grilnen ein Gebàude, das sich in die Horizontale wegduckt. Statt der jiblichen Fassaden gibt es ein groBes Dach, das ais reflektierende Glasflâche leicht geneigt ist und eine Art optisches Glacis formt ftir den im Hintergrund anstelgenden Mont Joli. Fine soîche groBe, ailes umfassende Dachflàche ist keine neue Idee: Dominique Perrauit mit der Ingenieurschule in Marne-La-Vallée und Jean Nouvel mit dem kielnen Bau Wr Cartier-Uhren in Saint-Imier (Heft
44/1992) haben soîche Konzepte bereits in den neunziger Jahren umgesetzt. Der Bau in Gais wirkt im Vergleich dazu bewusst unfertiger. Angesichts der pragmatischen Nutzung verwendeten die Architekten Wr die eigentliche Fabrik eine simple Fertigteilkonstruktion, um dann ilire Sorgfait auf die Ausfiihrung des Dachs zu konzentrieren. Allerdings soute es keine perfekte homogen spiegeinde Fiâche werden, son-dem ais lebendiges Raster mit zufàliig wirkenden Unterbrechungen gelesen werden kônnen. GriiBere Leersteiien im Bereich der Garage -wo an manchen Stellen sogar kleine Bàume gepflanzt wurden - und der zur Sùdostseite unregelmàBig ausfransende Dachtiberstand sorgen Wr den Effekt der Zufàlligkeit. Konstruktiv besteht der Hailenbau aus einem Stahltragwerk, basierend auf einem Raster von 7,2 auf 7,2 Meter, das nach oben mit tiblichen Sandwichpaneelen ged~mmt wurde. Darùber spannt sich eine Abdeckung aus i Millimeter starken Inoxpiatten, die b 1,20 auf 3,60 Meter groBe Zinkblech-Rahmen verlegt wurden. Spezielle D~mpfer kamen zum Einsatz, um den Trommeleffekt des Regens auf dem EdeistahiDach zu vermeiden.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

Möglich wurde der Entwurf eines iiber aile Funktionen hinweggezogenen Dachs aufgrund der Vorgaben des Bauprogramms. 70 Prozent der Flàche - insgesamt 4500 Quadratmeter -soliten ebenerdig miteinander verbunden sein. Fabrikation, Werkst~itten und Lager bilden den zentraien Bereich. Strukturiert wird er durch eine ,,rue principale", an der die beiden Fabrikhalien aufgefâdelt sind und die die M~iglichkeit Wr spàtere Erweiterungen offen hàit. Die notwendigen Biirofunktionen slnd zum Berg hin in einem zweigeschossigen ,,Officeblock" zusammengefasst, der vom groRen Dach mit seinen unregelmàl3igen Auslàufern gerade noch bedeckt wird.
Die beiden Firmen, die sich hier zusammengeschiossen haben, produzieren Mikro-Schweil3-roboter und automatisierte Produktionsiinien fùr die Uhrenindustrie und den Automobilbau. Mit dem paradoxen Gestus, dass sie sich in dem gemeinsamen Neubau gieichzeitig ,,eingraben" und sich ais fiach geneigte Vitrine wiederum auch aussteiien, machen sie auf eine Produktionstechnik aufmerksam, die seibst von einer soichen Duaiitât gepràgt ist: einerseits unsichtbarer und andrerseits spektakuiàrer zu sein ais bisher tibliche Systeme. KG